Latexallergie

Eine Latexallergie kann unbehandelt schwere Symptome auslösen und sogar zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen. Um das zu vermeiden, sind die Diagnose und eine gezielte Behandlung unabdingbar. Alles über Ursachen, Symptome und Therapie im Ratgeber Latexallergie.

Definition

Latexallergie - Handschuhe

Die Latexallergie ist eine spezielle Form der Allergie. Sie gehört zu den Allergien vom Soforttyp (Allergie Typ I). Das heißt, Allergiesymptome können innerhalb von 5 bis 30 Minuten nach einem Kontakt mit Latex auftreten. Bei einer Latexallergie reagiert das körpereigene Abwehrsystem überempfindlich auf Eiweiße (Proteine) im natürlichen Latex (Naturkautschuk, Naturlatex).

Produkte aus Latex

Der Latexgehalt von Produkten wird oft nicht deklariert. Daher weiß der Latexallergiker häufig nicht, ob er einen latexhaltigen Artikel in Händen hält oder nicht. Typische Produkte, die natürliches Latex enthalten, sind zum Beispiel:

  • medizinische Hilfsmittel: Einmalhandschuhe, Urin-Katheter und Urinale, Darmrohre, Drainagen, Spritzen, Infusionsbehälter, Stauschläuche, Stethoskope, Verschlüsse von Medikamenten, Blutdruckmanschetten, Beatmungsbeutel sowie Pflaster, Wärmflaschen und Eisblasen (Coolpacks)
  • Dinge des täglichen Bedarfs: Schutz- und Haushaltshandschuhe, Kondome, Diaphragma, Gummistiefel, Gummibälle, Gummibänder, Nuckel (Schnuller), Luftballons, Badekappen, Schwimmhilfen, Schlauchboote, Luftmatratzen, Sportartikel, Radiergummi, Beschichtungen von Teppichen und Matten, Matratzen, Reifen.

Kein Naturlatex enthalten – wie oft fälschlich angenommen – Kaugummi, Gummibärchen und Latexfarben.

Das Kreuz mit den Kreuzallergien

Viele Latexallergiker leiden an einer sogenannten Kreuzallergie. Allergische Symptome sind dann auch auf andere Allergene möglich. Betroffene reagieren zum Beispiel auf Lebensmittel wie Bananen, Avocados, Papaya, Kiwi, Walnüsse oder Maroni (Esskastanien) allergisch. Aber auch Zimmerpflanzen wie die Birkenfeige (Ficus benjamina), der Weihnachtsstern und Maniok werden von vielen Latexallergikern im Sinne einer Kreuzallergie nicht vertragen.

Symptome

Die Symptome einer Latexallergie sind vielfältig. Bei den meisten Betroffenen kommt es aber vor allem zu Hautbeschwerden. Die Haut juckt nach dem Kontakt mit Latex üblicherweise, ist gerötet und mit Quaddeln überzogen. Ebenso kann ein nesselartiger Hautausschlag der gesamten Haut auftreten (sogenannte Urtikaria). Eine Latexallergie kann sich aber auch unspezifisch zeigen. Andere, nicht sofort zuzuordnende Beschwerden bei Latexallergie sind beispielsweise:

  • Niesattacken, Fließschnupfen, Juckreiz der Mund- und Rachenschleimhaut, Asthma-Anfälle. Eine Latexallergie kann sogar zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen.
  • Schwellungen im Bereich des Rachens und des Kehlkopfes mit Atemnot
  • Bindehautentzündung mit juckenden, geröteten und tränenden Augen, erhöhte Lichtempfindlichkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit und zum Teil heftigen Durchfällen
  • Herzrhythmusstörungen, spürbarer Herzschlag (sogenannte Palpitationen)
  • anhaltend starke Müdigkeit, ausgeprägte körperliche Schwäche über Tage ohne erkennbare Ursache.

Ursachen

Bei einer Latexallergie reagiert das körpereigene Abwehrsystem überempfindlich auf die Eiweiße in Latex. Latex (Naturlatex, Naturkautschuk) wird aus dem Milchsaft des Parakautschukbaumes gewonnen. Mit Latex werden zum Beispiel medizinische Hilfsmittel und verschiedenste Dinge des täglichen Bedarfs hergestellt.

Bei allgemeiner Allergieneigung ist das Risiko, eine Latexallergie zu entwickeln, erhöht. An einer Latexallergie erkranken besonders oft Beschäftigte in der Gummi- und Kunststoffindustrie, Mitarbeiter in medizinischen Berufen (wie Pflegepersonal, medizinisch technische Assistenten oder Ärzte) sowie Menschen mit offenem Rücken (Spina bifida) und Patienten nach häufigen Operationen.

Untersuchung

Ihr Arzt wird sich bei Verdacht auf Latexallergie anhand Ihrer Symptome einen ersten Eindruck verschaffen. Beispielsweise fragt er, wo und wann die Beschwerden auftraten, wie lange sie anhielten, wodurch Besserung eintrat und ob sie erneut beobachtet worden. Erhärtet sich der Verdacht, wird er mittels Blutuntersuchung versuchen, bestimmte Antikörper nachzuweisen (im sogenannten RAST-Test).

Seltener werden Hauttests (z. B. ein Prick-Test) gemacht. Diese Hauttests sind bei einer Latexallergie nicht risikolos, da gelegentlich schwere und lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen auftreten können. Sie sind deshalb nur in sonst unklaren Fällen von einem erfahrenen Allergologen bei entsprechenden Notfallvorkehrungen einzusetzen.

Behandlung

Sinnvollerweise sollte bei einer Latexallergie konsequent der Kontakt mit latexhaltigen Produkten vermieden werden. Das ist gar nicht so schwer, denn es gibt reichlich Alternativen zu Produkten aus Naturlatex. Ersatzmaterialien sind beispielsweise synthetisches Latex, Polyurethan, Silikon oder Vinyl. Eine Hyposensibilisierung, wie sie beispielsweise bei Pollenallergien angewandt wird, wird bei einer Latexallergie nicht empfohlen. Dabei sind schwere und lebensbedrohliche Nebenwirkungen möglich.

Medikamentöse Therapie von Latexallergie

Bei hochsensiblen Menschen oder bei Latexallergikern, die nicht komplett auf den Kontakt von Latex verzichten können oder wollen (zum Beispiel berufsbedingt), ist eine medikamentöse Therapie möglich. Entsprechende Wirkstoffe, um Latexallergie-Symptome zu vermeiden bzw. zu lindern sind:

  • Antihistaminika (so genannte H1-Antagonisten, z. B. als Salben, Zäpfchen, Tabletten, Nasenspray) wie Azelastin, Cetirizin, Clemastin, Dimetinden, Loratadin. Antihistaminika können müde machen. Daher: Vorsicht beim Autofahren oder beim Führen von Maschinen, insbesondere im Zusammenhang mit Alkoholgenuss!
  • Nasentropfen und -spray, Augentropfen, Inhalationsspray, beispielsweise mit Cromoglicinsäure oder Nedocromil
  • schleimhautabschwellende Mittel (Nasentropfen und -spray) mit Wirkstoffen wie Naphazolin, Oxymetazolin, Tramazolin oder Xylometazolin
  • Glukokortikoide wie Beclometason, Budesonid, Flunisolid, Fluticason oder Mometasonfuroat. In besonders akuten oder schweren Fällen werden beispielsweise Prednisolon oder Prednison verordnet.

Das sollten Sie bei einer Latexallergie beachten

Bei einer Latexallergie sollten Sie – neben dem strikten Verzicht auf Latex - verschiedene Dinge beachten, zum Beispiel:

  • Informieren Sie medizinisches Personal sofort über Ihre Latexallergie (möglichst gleich am Empfang Ihres Haus- oder Zahnarztes).
  • Denken Sie ggf. über einen Berufswechsel nach.
  • Besorgen Sie sich einen Allergiepass oder noch besser ein SOS-Armband oder –Halskette. Diese Schmuckstücke enthalten eine Notfallkapsel, aus der alle notwendigen Informationen bezüglich der Latexallergie entnommen werden können. Es gibt sie beispielsweise als SOS-Talisman beim ADAC oder in der Apotheke.
  • Lassen Sie sich ein latexfreies Erste-Hilfe-Set verordnen und tragen Sie dieses am besten immer bei sich. Denn Rettungswagen und Krankenhäuser sind noch immer nicht ausschließlich mit latexfreien Materialien ausgerüstet.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.02.2013

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