Non-Hodgkin-Lymphom

Non-Hodgkin-Lymphome können sich innerhalb und außerhalb von Lymphknoten entwickeln. Warum sich die Zellen bei dieser Art von Lymphdrüsenkrebs jedoch bösartig verändern, ist bislang nicht eindeutig zu beantworten. Hier finden Sie mehr Informationen über Symptome, Ursachen und Behandlung von Non-Hodgkin-Lymphomen.

Definition

Non-Hodgkin-Lymphom

Unter dem Oberbegriff Non-Hodgkin-Lymphom werden bösartige Erkrankungen des lymphatischen Gewebes zusammengefasst, die keine Hodgkin-Lymphome sind. Bei Non-Hodgkin-Lymphomen werden im Wesentlichen drei Formen unterschieden. Die Unterscheidung erfolgt danach, wie sich das entsprechende Gewebe zusammensetzt, wie schnell die Lymphome wachsen und wie zügig sie sich ausbreiten. Die Einteilung erfolgt in:

  • hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome
  • niedrig-maligne Non-Hodgkin-Lymphome
  • Burkitt-Lymphom.

Hoch-maligne Non-Hodgkin-Lymphome

Hoch-maligne Non-Hodgkin-Lymphome sind diffuse, großzellige B-Zell-Lymphome. Sie entwickeln sich häufig im Magen-Darm-Trakt, den Knochen, der Haut oder dem Gehirn. Aufgrund ihrer starken Bösartigkeit und Aggressivität verbreiten sie sich schnell und diffus in allen Organen.

Niedrig-maligne Non-Hodgkin-Lymphome

Zu den niedrig-malignen Non-Hodgkin-Lymphomen gehören unterschiedliche Erkrankungen, zum Beispiel

  • die chronisch, lymphatische Leukämie (CLL). Sie tritt meistens im höheren Alter auf und beginnt häufig im Blut, außerdem befällt sie häufig das Knochenmark, die Leber und die Milz.
  • das Plasmozytom. Das Plasmozytom tritt etwa ab dem 40. Lebensjahr auf. Typisch sind vergrößerte Lymphknoten sowie Tumorableger in Knochen und Knochenmark. Das führt häufig zu Knochenschmerzen und –brüchen.
  • das follikuläre Lymphom. Das Lymphom betrifft eher ältere Patienten. Es verbreitet sich in den Lymphknoten und im Knochenmark. Dieses Lymphom wird zwar zur Gruppe der niedrig-malignen Non-Hodgkin-Lymphome gezählt, wandelt sich aber häufig später in eine sehr bösartigere Form um.
  • Seltene niedrig-maligne Non-Hodgkin-Lymphome sind die Haarzellleukämie, das extranodale Lymphom der Lymphgewebe in der Wand von Magen und Darm sowie die Mycosis fungoides.

Burkitt-Lymphom

Am Burkitt-Lymphom erkranken vor allem Menschen in Westafrika. In Europa tritt es sehr selten auf, wenn doch - dann häufig begleitend bei AIDS.

Das Lymphsystem

Das Lymphsystem gehört zum körpereigenen Abwehrsystem. Es besteht aus Bahnen, die sich durch den ganzen Körper ziehen, und den lymphatischen Organen (Lymphknoten, Milz, Gewebe im Magen-Darm-Trakt, Thymusdrüse und Mandeln). Die Zellen im Lymphsystem heißen Lymphozyten. Sie gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Dabei werden zwei Formen unterschieden, die B- und die T-Lymphozyten. Beide Lymphozytenarten haben verschiedene Funktionen bei der Abwehr von Krankheitserregern.

Non-Hodgkin-Lymphome entstehen zu 80 Prozent aus B-Lymphozyten, aus T-Lymphozyten entwickeln sich nur etwa 20 Prozent aller Fälle. Non-Hodgkin-Lymphome können grundsätzlich an jeder Stelle des Körpers und auch in jedem Organ auftreten. Am häufigsten entwickeln sie sich jedoch in Lymphknoten.

Häufigkeit

Pro Jahr erkranken in Deutschland knapp 7000 Männer und rund 6000 Frauen an einem Non-Hodgkin-Lymphom. Am häufigsten trifft es Menschen zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr, aber auch Kinder sind von Non-Hodgkin-Lymphomen betroffen.

Symptome

Die Symptome des Non-Hodgkin-Lymphoms sind variabel. Sie richten sich danach, wo sich das Lymphom befindet. Non-Hodgkin-Lymphome machen auch unterschiedlich schnell auf sich aufmerksam:

  • Niedrig-maligne Non-Hodgkin-Lymphome entwickeln sich langsam und bereiten spät Beschwerden.
  • Hoch-maligne Non-Hodgkin-Lymphome machen sich schnell bemerkbar.

Als typisches Symptom für Non-Hodgkin-Lymphome gilt aber in jedem Fall eine schmerzlose Vergrößerung der Lymphknoten, die am häufigsten an Kopf und Nacken auftreten. Dazu kommen vielfach allgemeine Symptome wie:

  • Fieber
  • nächtliche Schweißausbrüche
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Schwäche
  • nachlassende Leistungsfähigkeit
  • ungewollte Gewichtsabnahme
  • Übelkeit/Appetitlosigkeit
  • Völlegefühl
  • Sodbrennen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Hautveränderungen (z.B. Rötungen, Blässe)
  • Juckreiz
  • depressive Stimmung
  • erhöhte Anfälligkeit für Infekte
  • Kopf- oder Knochenschmerzen.

Je nachdem, wo sich das Non-Hodgkin-Lymphom entwickelt, sind weitere Symptome wie Bauchschmerzen, Luftnot oder Nervenausfälle möglich.

Ursachen

Die genauen Ursachen des Non-Hodgkin-Lymphoms sind bis heute nicht bekannt. Es gibt aber Faktoren, die das Risiko, an einem Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken, erhöhen. Risikofaktoren für das Non-Hodgkin-Lymphom sind:

  • Chromosomen-Veränderungen, die im Laufe des Lebens entstehen (z. B. durch radioaktive Strahlung)
  • Immunschwäche, z.B. fortgeschrittene HIV-Infektion. Das Erkrankungsrisiko ist vor allem erhöht bei hochmalignen Lymphomen, die auch das Zentralnervensystem befallen.
  • Infektionen mit dem humanen T-Zell-Leukämievirus HTLV-I erhöhen speziell das Risiko von T-Zell-Lymphomen.
  • Virusinfektionen mit dem Epstein-Barr-Virus: Das Epstein-Barr-Virus zählt zu den Herpesviren und löst bei jüngeren Menschen das Pfeiffersche Drüsenfieber aus. Die Infektion ist vorrangig für die Entwicklung des hochmalignen Burkitt-Lymphoms, das vorwiegend in Afrika auftritt, verantwortlich.
  • Besiedlung mit Helicobacter pylori: Bei vielen Menschen ist die Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori besiedelt, was zur chronischen Magenschleimhautentzündung führen kann. Dann besteht ein erhöhtes Risiko für ein Lymphom der Magenschleimhaut (MALT-Lymphom).
  • chemische Substanzen wie Benzol oder bestimmte Insekten- bzw. Pflanzenschutzmittel begünstigen allgemein Non-Hodgkin-Lymphome.
  • Rauchen: Raucher erkranken häufiger an Non-Hodgkin-Lymphomen.
  • höheres Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, ein Non-Hodgkin-Lymphom zu entwickeln.

Untersuchung

Non-Hodgkin-Lymphom Untersuchung

Ihr Arzt wird zunächst den Körper auf mögliche vergrößerte Lymphknoten und weitere Veränderungen (z. B. vergrößerte Milz oder Leber) untersuchen. Mit einer Blutentnahme können verschiedene Blutzell- sowie Organwerte bestimmt werden. Mit einem erweiterten Blutbild (Differentialblutbild) lässt sich die Verteilung der Leukozyten - inklusive der Lymphozyten - ermitteln. Manchmal sind auch direkt bösartige Lymphozyten im Blut nachweisbar.

Um die Diagnose von Non-Hodgkin-Lymphomen zu sichern, wird in der Regel Gewebe eines befallenen Lymphknotens oder anderes betroffenes lymphatisches Gewebe entnommen und untersucht. Mit speziellen Methoden gelingt es dann im Labor, die Zellen genau zu analysieren und so den Typ des Lymphoms zu identifizieren.

Weitere Untersuchungen

Steht die Diagnose eines Non-Hodgkin-Lymphoms fest, müssen weitere Untersuchungen erfolgen, um die Ausbreitung der Krankheit festzustellen. Dazu zählen Ultraschall (Sonographie) aller einsehbarer Lymphknoten, Röntgenaufnahmen der Lunge sowie Computer- und Kernspintomographien verschiedener Körperregionen. Eventuell kann auch eine Spiegelung des Brust- oder Bauchraumes sowie bei Verdacht auf Knochen- oder Knochenmarkbefall eine genaue Untersuchung des Skeletts bzw. Knochenmarks erforderlich werden. Zudem prüft der Arzt die Hirnnerven und untersucht beim Mann die Hoden.

Ein sehr sensibles Verfahren, um die genaue Verteilung der bösartigen Zellen zu entdecken, ist die Positronen-Emissionstomographie. Dabei wird dem Patienten eine radioaktive Substanz gespritzt, die sich im ganzen Körper verteilt und am Stoffwechsel teilnimmt. Mit einer speziellen Kamera können diese Vorgänge sichtbar gemacht werden. Da Tumorzellen einen anderen Stoffwechsel als andere Zellen haben, lassen sie sich durch das veränderte Bildmuster erkennen.

Behandlung

Wie Non-Hodgkin-Lymphome behandelt werden, richtet sich nach der Aggressivität des Tumors. Die Therapie richtet sich weiterhin nach dem Alter des Patienten, der Ausbreitung der Krebszellen, wie groß die Heilungschancen des jeweiligen Lymphoms sind und welche Begleiterkrankungen bestehen.

Kleine, örtlich begrenzte Lymphome können unter Umständen operativ entfernt werden. Bei sehr langsam wachsenden Tumoren kann es vertretbar sein, zunächst abzuwarten und die Erkrankung regelmäßig zu kontrollieren. Diese Form der Therapie nennen Mediziner Watch an wait.

Chemotherapie von Non-Hodgkin-Lymphom

Bei hochmalignen Lymphomen sind – auch in fortgeschritteneren Stadien – gute Erfolge mit einer Chemotherapie zu erzielen. Bei der Chemotherapie werden meist mehrere Substanzen kombiniert, um einen größtmöglichen Effekt zu erzielen. Die zellvernichtenden Medikamente werden in mehreren Zyklen über jeweils etwa 2 bis 4 Wochen in die Vene gespritzt. Bei Lymphomen im Gehirn ist es möglich, die Chemotherapeutika direkt in das Nervenwasser (Liquor) zu verabreichen, damit sie direkt an Ort und Stelle wirken können. Die Dauer der Therapie richtet sich nach Art und Ausmaß der Erkrankung.

Mögliche Nebenwirkungen sind Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, erhöhte Anfälligkeit für Infekte und Blutarmut sowie eine dauerhaft geschädigte Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen.

Bestrahlung des Non-Hodgkin-Lymphoms

Ist der Tumor auf eine bestimmte Körperregion begrenzt, kann zusätzlich eine örtliche Bestrahlung erfolgen. Eine Bestrahlung kommt auch dann infrage, wenn eine vorherige Chemotherapie versagt hat. Niedrig-maligne Non-Hodgkin-Lymphome sprechen grundsätzlich besser auf eine Bestrahlung an.

Bestrahlungen haben ebenfalls Nebenwirkungen. Dazu zählen wie bei der Chemotherapie Übelkeit und Erbrechen sowie Haarausfall. Darüber hinaus kann es – je nach Ort der Bestrahlung – zu Entzündungen von Haut und Schleimhäuten, trockenem Mund oder Änderungen des Geschmacksempfindens kommen.

Antikörpertherapie

Manche Non-Hodgkin-Lymphome haben Zellen mit bestimmten Merkmalen auf ihrer Oberfläche. Für einige von ihnen gibt Antikörper. Diese Antikörper setzen sich dann an den Zellen fest und kennzeichnen sie damit für die körpereigene Abwehr als bösartig. Das regt das körpereigene Abwehrsystem an, die Krebszellen zu zerstören. In manchen Fällen kann der Antikörper auch mit einer radioaktiven Substanz beladen werden, die dann selbst die Tumorzelle zerstört (sogenannte Radioimmuntherapie).

Interferon

In einigen Fällen kann die Therapie mit Interferon sinnvoll sein. Interferon unterstützt die körpereigene Abwehr beim Kampf gegen die Krebszellen.

Hochdosis-Chemotherapie mit Knochenmark-/Stammzelltransplantation

Zuweilen gelingt es nicht beim Non-Hodgkin-Lymphom nicht, die bösartigen Zellen komplett zu vernichten oder kommt es zu einem Rückfall. Dann kann eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Übertragung von Knochenmark und den darin enthaltenen Vorläuferzellen aller Blutzellen (Stammzellen) versucht werden. Dazu werden dem Patienten zunächst gesunde Stammzellen aus dem Blut oder dem Knochenmark entnommen, um sie einzufrieren. Dann erhalten die Betroffenen noch einmal eine hochdosierte Chemotherapie – manchmal kombiniert mit einer Ganzkörperbestrahlung - um alle im Knochenmark angesiedelten bösartigen Zellen zu zerstören. Während dieser Zeit sind die Betroffenen stark infektgefährdet, weil ihr Immunsystem durch die Medikamente praktisch ausgeschaltet ist.

Nach der Chemotherapie erhalten die Patienten dann ihre gesunden, aufbewahrten Zellen über eine Infusion zurück in den Blutkreislauf. Von dort wandern die Zellen ins Knochenmark und beginnen mit der Bildung neuen Blutes. In seltenen Fällen wird für die Übertragung Fremdmaterial genommen (also Zellen von fremden Personen). Dann müssen nach der Transplantation für längere Zeit Medikamente eingenommen werden, die eine Abstoßung dieser Zellen verhindern.

Die vorausgegangene aggressive Chemotherapie führt in den meisten Fällen zu dauerhafter Unfruchtbarkeit. Auch die Gefahr, später an einer anderen Krebsform zu erkranken, steigt. Wurde gleichzeitig bestrahlt, erhöht sich das Risiko, einer Linsentrübung am Auge (sogenannte Strahlenkatarakt).

Prognose

Die Lebenserwartung und die Heilungschancen hängen von der Art des Non-Hodgkin-Lymphoms ab. Je später die Behandlung einsetzt, umso schlechter sind die Heilungschancen. Unbehandelt können hoch-maligne Non-Hodgkin-Lymphome im ungünstigen Fall nach nur wenigen Monaten tödlich enden. Zudem neigen hoch-maligne Lymphome trotz aggressiver Therapie dazu, erneut aufzutreten.

Niedrigmaligne Non-Hodgkin-Lymphome werden – vor allem in frühen Stadien - durch eine Bestrahlung geheilt. In fortgeschritteneren Stadien ist eine Heilung jedoch kaum mehr möglich.

Vorbeugung

Non-Hodgkin-Lymphomen kann nicht sicher vorgebeugt werden. In jedem Fall ist es günstig, nicht zu rauchen und Strahlenkontakt zu vermeiden.

Autor: Charly Kahle, Mitarbeit: Dr. med Anja Braunwarth (Ärztin)

Stand: 03.04.2014

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