Grippeschutzimpfung - Häufige Fragen und Antworten

An der Grippeschutzimpfung scheiden sich die Geister. Befürworter und Gegner stehen sich nahezu unversöhnlich gegenüber. Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Grippeschutzimpfung.

Schutzimpfung gegen Grippe

Die Befürworter argumentieren, die Schutzimpfung rette Menschenleben und biete vor allem den Risikogruppen (chronisch Kranke, Menschen über 60 und Schwangere) den wirksamsten – wenn auch nicht vollständigen – Schutz gegen die Influenza-Infektion. Die Impfkritiker verweisen auf die nicht umfassende Wirkung der Grippeschutzimpfung und vermeintliche oder tatsächliche Impfrisiken durch Impfstoffe im Allgemeinen. Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Grippeschutzimpfung.

Häufige Fragen zu Grippe und Grippeimpfung

  1. Welche Personengruppen sind durch die Grippe besonders gefährdet?
  2. Wie stark verbreitet ist die Grippe überhaupt?
  3. Wie gut schützt die Grippeimpfung?
  4. Warum schützt die Grippeimpfung nicht vor allen Grippeviren?
  5. Warum gibt es keinen Impfstoff gegen alle Grippeviren?
  6. Gegen welche Grippeviren schützt der aktuelle Grippeimpfstoff?
  7. Kann ich mich durch die Grippeschutzimpfung anstecken?
  8. Für wen ist die Grippeschutzimpfung geeignet?
  9. Welche Nebenwirkungen hat die Impfung?
  10. Wie gefährlich sind die Impfkomplikationen, von denen man immer wieder liest?
  11. Stecken giftige Metalle in den Grippeimpfstoffen?
  12. Welche Medikamente bekämpfen die Grippe?
  13. Wie kann ich mich ohne Impfung gegen die Grippe schützen?
  14. Wie viele Menschen lassen sich gegen Grippe impfen?

1. Welche Personengruppen sind durch die Grippe besonders gefährdet?

Kinder bekommen zwar überdurchschnittlich häufig eine Grippe, brachen aber in der Regel keine Grippeschutzimpfung. Ausnahme: Die Kinder sind chronisch krank und haben eine verminderte Immunabwehr. Die Grippeinfektion ist überdurchschnittlich gefährlich für alle Männer, Frauen und Kinder mit einer verringerten körperlichen Abwehr. Für diese Personengruppen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes (RKI) daher eine Impfung gegen Influenza. Außerdem für Erwachsene über 60, Schwangere und alle Berufsgruppen, die häufig mit Kindern und/oder vielen Menschen zu tun haben. Das gilt beispielsweise für Busfahrer und Mitarbeiter an einer Supermarktkasse ebenso wie für Beschäftigte an einem Gepäckschalter oder in Gesundheitsberufen.

Bei Erwachsenen wird das Immunsystem beispielsweise durch chronische Krankheiten wie Diabetes, Herzschwäche oder Asthma geschwächt. Auch die Einnahme von Medikamenten wie Immunsuppressiva (nach Transplantationen oder zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen) schwächt die körpereigene Abwehr. Ältere Menschen sind besonders gefährdet, weil die Leistungsfähigkeit des Immunsystems mit den Jahren abnimmt. Kinder unter 12 Jahren haben ein erhöhtes Gripperisiko, weil ihr Immunsystem noch nicht ausreichend ausgebildet ist. Außerdem sind Kinder in Kindergarten oder Schule den Grippeviren und anderen Krankheitskeimen besonders häufig ausgesetzt. Dennoch weist die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts in ihren Impfempfehlungen ausdrücklich darauf hin, dass die die Grippeschutzimpfung nur für Kinder und Jugendliche mit anderen Erkrankungen empfiehlt. Mit anderen Worten: Gesunde Kinder und Jugendliche brauchen in aller Regel keine Grippeschutzimpfung.

2. Wie stark verbreitet ist die Grippe überhaupt?

Die Wahrscheinlichkeit einer Grippeansteckung hängt von vielen Faktoren ab. Für einen ansonsten gesunden Erwachsenen mit einem guten Immunsystem ist vor allem die Verbreitung der Grippe ein wichtiger Faktor. Je häufiger man den Grippeviren ausgesetzt ist, umso höher die Chance, dass die Grippeviren sich einnisten. Bei gesunden Erwachsenen ist das in 2 bis 10 Fällen pro 100 Menschen der Fall, je nachdem ob die Grippe grassiert oder weniger häufig vorkommt. Bei Kindern und jungen Erwachsenen ist dieser Wert mit 10 bis 20 Grippeinfektionen pro 100 deutlich höher.

3. Wie gut schützt die Grippeimpfung?

Grundsätzlich schützt die Grippeschutzimpfung nicht zu 100 Prozent vor einer Grippeinfektion. Das liegt daran, dass die Impfstoffe nicht alle Grippevirenstämme zuverlässig bekämpfen. So boten die meisten Impfstoffe gegen die Grippewelle 2014/2015 beispielsweise keinen optimalen Schutz gegen Grippeviren vom Stamm H3N2. Dadurch verringerte sich die Schutzwirkung nach Berechnungen des Robert-Koch-Institutes auf einen Durchschnittswert von 27 Prozent. Richtig ist aber auch: Im Durchschnitt der vergangenen Jahre schützten die Grippeimpfstoffe etwa 60 Prozent aller Geimpften zuverlässig.

4. Warum schützt die Grippeimpfung nicht vor allen Grippeviren?

Grippeviren sind vielgestaltige Lebensformen, die sich ständig verändern. Für die Entwicklung eines Impfstoffes werden diese Veränderungen weltweit in Grippezentren der Weltgesundheitsorganisation WHO beobachtet. Da man die Verbreitungsgeschwindigkeit und Verbreitungsrichtung der Viren in etwa kennt, lässt sich voraussagen, welche Grippeviren wann und wo ankommen. Entsprechend werden für diese Regionen passende Impfstoffe  hergestellt. Die Impfstoffe, die in Deutschland angewendet werden, entstehen aufgrund der Virenbeobachtung in Asien und Australien. Zwischen dem Zeitpunkt der Virenbestimmung im australischen Winter beispielsweise und der Auslieferung des Grippeimpfstoffes in Europa liegt etwa ein halbes Jahr. In dieser Zeitspanne verändern sich die Grippeviren mitunter. Das erklärt, warum diese Grippeviren auf den Impfstoff nicht ansprechen. Außerdem kommt es vor, dass Grippenvirenstämme sich anders als vorhergesagt verbreiten.

5. Warum gibt es keinen Impfstoff gegen alle Grippeviren?

Die Zahl der verschiedenen Grippestämme und ihrer einzelnen Virenunterarten ist einfach zu groß. Ein entsprechender Impfstoff würde zu teuer – und wäre möglicherweise auch gar nicht zu produzieren. Deshalb wird die Wirksamkeit der Grippeimpfung in aller Regel auf drei oder vier Virenstämme begrenzt. Man spricht von trivalenten und tetravalenten Impfstoffen. Viele Impfbefürworter bemängeln, dass die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland in der Regel nur die Kosten für die Impfung mit einem Dreifach-Impfstoff (trivalent) erstatten. Tatsächlich lässt sich nachweisen, dass Vierfach-Impfstoffe (tetravalent) eine breitere Wirkung gegen die Grippeviren entfalten.

6. Gegen welche Grippeviren schützt der aktuelle Grippeimpfstoff?

Die Zusammensetzung der Grippeimpfstoffe ändert sich von Jahr zu Jahr. Für 2017 sind nach Angaben des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI) auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation die folgenden Impfstoffe zugelassen:

  • Dreifach-Impfstoffe (trivalente Impfstoffe) gegen die Grippevirenstämme A/Michigan/45/2015 (H1N1), A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2) und B/Brisbane/60/2008
  • Vierfach-Impfstoffe (quadrivalente Impfstoffe): zusätzlich B/Phuket/3073/2013.

7. Kann ich mich durch die Grippeschutzimpfung anstecken?

Bei einer Grippeschutzimpfung ist die Übertragung der Influenza ausgeschlossen. Impfen steckt nicht mit Grippe an. Einzige Ausnahme: Es gibt Grippeimpfstoffe mit lebenden Grippeviren. Die werden in der Regel aber nur für Kinder verwendet. Es hängt von der Wahl des Impfstoffes ab, ob eine Grippeschutzimpfung die Krankheit überträgt. Bei den sogenannten Tot-Impfstoffen, wie sie in der Mehrheit verwendet werden, ist eine Übertragung der Influenza-Viren ausgeschlossen. Anders stellt es sich bei den Lebendimpfstoffen, wie sie beispielsweise in den Nasenspray-Impfstoffen für Kinder verwendet werden. In diesen Impfstoffen sind lebende Grippeviren enthalten, die unter ungünstigen Umständen eine Infektion verursachen können. Daher sind Lebendimpfstoffe für chronisch kranke Menschen, bei herabgesetzter körperlicher Abwehr oder aktuellen Atemwegsinfektionen nicht geeignet.

8. Für wen ist die Grippeschutzimpfung geeignet?

Für die überwiegende Mehrheit der gesunden Menschen ist die Grippeschutzimpfung nach Ansicht der meisten Experten gut geeignet. Eine aktuelle Erkältung oder andere Infektionen sollten aber vor dem Impftermin abgeklungen sein. Die meisten Grippeimpfstoffe sind zudem für Hühnereiweiß-Allergiker nicht geeignet. Wenn Sie bereits einmal stark allergisch auf Hühnereiweiß oder andere Impfungen reagiert haben, teilen Sie das Ihrem Arzt unbedingt mit.

9. Welche Nebenwirkungen hat die Impfung?

In den allermeisten Fällen hat die Grippeschutzimpfung kaum Nebenwirkungen. Lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, Schwellungen oder Juckreiz verschwinden in der Regel innerhalb von wenigen Stunden. In einigen Fällen kommt es zu Fieber, Müdigkeit oder einer verstopfen Nase. Letzteres vor allem bei Kindern, die mit einem sogenannten Lebendimpfstoff in einem Nasenspray geimpft werden.

10. Wie gefährlich sind die Impfkomplikationen, von denen man immer wieder liest?

Gefährliche Impfkomplikationen werden in der wissenschaftlichen Literatur als sehr seltene Ausnahmen beschrieben. Das Paul-Ehrlich-Institut untersucht den Zusammenhang zwischen Impfungen und möglichen Nebenwirkungen. Im Jahr 2012 registrierte das PEI insgesamt 1.551 sogenannte Verdachtsfälle für alle Impfungen, also nicht nur die Grippeschutzimpfung. In keinem dieser Fälle konnte ein Zusammenhang zwischen der Impfung und einer Impfkomplikation als gesichert nachgewiesen werden. Für 85 Fälle aus diesem Jahr bezeichnet das PEI einen Zusammenhang aber als wahrscheinlich. Insgesamt bewertet das PEI die Grippeschutzimpfung als sicher. Das Risiko für Nebenwirkungen im Sinne von Impfkomplikationen liege unter dem statistischen Mittelwert für gesunde Menschen. Ausführliche Informationen zu Impfkomplikationen beim Paul-Ehrlich-Institut

11. Stecken giftige Metalle in den Grippeimpfstoffen?

Zu einem der häufigsten Argumente gegen Schutzimpfungen gehört, dass Impfstoffe Metalle in einer gefährlichen Konzentration enthalten seien. Dabei werden meistens Aluminium und Quecksilber genannt. Beispielsweise verweisen Impfkritiker auf den quecksilberhaltigen Impfstoff Pandemrix, der gegen die Schweinegrippe eingesetzt wurde. Hier steckte das Quecksilber im Konservierungsstoff Thiomersal. Handelsübliche Grippeschutz-Impfungen enthalten diesen Konservierungsstoff allerdings überhaupt nicht – und damit auch kein Quecksilber. Andere Warnungen gelten dem Aluminiumgehalt von Impfstoffen. Impfkritiker verweisen auf umstrittene Studien, denen zufolge Aluminium aus Impfstoffen Multiple Sklerose oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) begünstige. Bei beiden Erkrankungen wird das Nerven- und Muskelsystem schwer geschädigt. Tatsächlich enthalten aktuelle Grippeimpfstoffe ein Aluminiumsalz, das Aluminiumhydroxid, als Wirkverstärker (Adjuvans). Das Paul-Ehrlich-Institut sieht allerdings keinen Zusammenhang zwischen den genannten Erkrankungen und Aluminium in Impfstoffen. Die Konzentrationen lägen mit 0,125 bis 0,82 Milligramm weit unter dem als bedenklich geltenden Grenzwert (1,25 Milligramm).

12. Welche Medikamente bekämpfen die Grippe?

Die Wirkung von Medikamenten gegen die Grippe ist bei Medizinern sehr umstritten. Bei Risikopatienten wie chronisch Kranken, Älteren, Schwangeren oder Kindern unter 12 Jahren werden zuweilen virenhemmende Medikamente verordnet. Die Wirkung dieser sogenannten Neuraminidase-Hemmer wie Oseltamivir oder Zanamivir ist in aller Regel aber sehr beschränkt. Selbst der Hersteller des bekannten Virenhemmers Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir) kommt in einer eigenen Studie zu dem Ergebnis, dass Tamiflu eine Grippe nur um einen Tag verkürzt. Diesem gering ausgeprägten Effekt stehen Nebenwirkungen wie schwere allergische – mitunter lebensbedrohliche - Reaktionen, Lebererkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen gegenüber. Für Asthmatiker ist der Wirkstoff überhaupt nicht geeignet.

13. Wie kann ich mich ohne Impfung gegen die Grippe schützen?

Einfache Hygienemaßnahmen wie das Niesen oder Husten in den Ellbogen tragen sehr dazu bei, dass Risiko für eine Grippeinfektion zu verringern. Das gilt auch für das regelmäßige Händewaschen. Neben der Grippeschutzimpfung verringern vor allem eine sorgfältige Hygiene und eine gute körpereigene Abwehr das Ansteckungsrisiko. Waschen Sie sich mehrmals täglich die Hände. Ein Desinfektionsmittel ist dabei in der Regel nicht notwendig, ein einfaches Handwaschmittel bzw. Seife ist ausreichend. Schmierinfektionen über die Hände sind einer der Hauptübertragungswege für Grippeviren. Türklinken, Lichtschalter oder Geldscheine sind Übertragungsmittel. Mit der gründlichen Handwäsche haben Sie einen der wichtigsten Übertragungswege schon sicherer gemacht. Beim Husten oder Niesen sollten Sie vom vermeintlich guten Benehmen Abstand nehmen. Halten Sie nicht die Hand vor Mund oder Nase, sondern die Armbeuge. Und wenden Sie sich von Menschen ab, wenn Sie husten oder niesen müssen. Das vermindert das Risiko für eine sogenannte Tröpfcheninfektion. Zudem sollten Sie Einmaltaschentücher – und diese auch nur einmalig – verwenden.

14. Wie viele Menschen lassen sich gegen Grippe impfen?

Die Experten sind sicher: Mehrere tausend Menschen würden die jährliche Grippewelle überleben, wenn sie gegen Influenza geimpft wären. Dennoch liegt die Impfquote auf alle Deutschen berechnet bei gerade einmal 25 Prozent. In den Risikogruppen beträgt sie höchstens 50 Prozent. Häufigster Grund für die Impfmüdigkeit oder die Ablehnung einer Grippeschutzimpfung: Viele Deutsche glauben, die Schutzimpfung würde die Grippe überhaupt erst übertragen. Und dann sind da noch die Impfkritiker, die Gesundheitsgefahren durch Impfstoffe ins Feld führen. Aber die Grippe ist alles andere als eine harmlose Erkältung oder ein grippaler Infekt. Insbesondere für Kranke, Ältere, Schwangere und Kinder unter 6 Jahren ist die Grippe eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Alleine für die Grippewelle 2012/2013 hat das Robert-Koch-Institut 20.000 grippebedingte Todesfälle für Deutschland errechnet.

Autor: Charly Kahle

Stand: 25.09.2017

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • BookmarkMerken
  • Drucken
Anzeige

Specials

Krankheitsgebiete

Anzeige

Newsletter

Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie wöchentlich zu News und Infos rund um die Gesundheit.