Atemtherapie

Die Atemtherapie zielt darauf, bewusst zu atmen, die richtige Atemtechnik zu lernen und falsche Atemtechniken zu vermeiden.

In der Regel ist das Atmen ein unbewusster Vorgang. Oft wird man sich der Atmung erst bei einer körperlichen Anstrengung oder bei einer seelischen Belastung bewusst. Viele Menschen haben jedoch eine falsche Atemtechnik ohne es zu wissen. Hektik und Stress der modernen Lebensweise tragen ebenso wie Bewegungsmangel, Fehlhaltungen oder Übergewicht dazu bei, dass es manchen Menschen "den Atem verschlägt". Dies kann zu verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen führen. In der Atemtherapie lernt man, auch das "alltägliche" Atmen bewusst wahrzunehmen und zu verändern.

Philosophie des bewussten Atmens

Es gibt verschiedene atemtherapeutische Richtungen und Schulen, zum Beispiel die Methode nach Klara Wolf oder die Atemlehre nach Ilse Middendorf. Frau Middendorf arbeitete in den dreißiger Jahren als Gymnastiklehrerin; bei dieser Arbeit erwachte ihr Interesse für die Atmung. Sie entwickelte eine eigene Lehre, genannt "Der Erfahrbare Atem". Laut Ilse Middendorf gibt es drei verschiedene Möglichkeiten zum Atmen:

  • Das unbewusste Atmen, das für alle Lebensfunktionen notwendig ist
  • Das bewusste Atmen, das durch den Willen gesteuert wird, z. B. schnell oder langsam, tief oder oberflächlich, stockend oder fließend atmen.
  • Der "erfahrbare Atem", bei dem man lernt, den Atem wieder freizulassen und bewusst zu begleiten.

Der erfahrbare Atem

Durch diese Schulung des Atem- und Empfindungsbewusstseins findet man einen neuen Zugang zu Körper, Geist und Seele. Ein Satz aus der Atemarbeit nach Ilse Middendorf lautet: "Wir lassen den Atem kommen, wir lassen ihn gehen und warten, bis er von selbst wieder kommt." Das Üben am Atmen soll den Menschen mehr Selbsterkenntnis und Vertrauen vermitteln. Dadurch werden die positiven Kräfte gestützt, die dazu beitragen können, Beschwerden und Erkrankungen zu heilen.

Formen der Atemtherapie

Es gibt zwei verschiedene Formen der Atemtherapie: Die Einzelbehandlung und den Gruppenunterricht.

In der Einzelbehandlung, die meistens im Liegen ausgeführt wird, ist der Übende mit der Atemtherapeutin allein. Die Therapeutin hilft dem Patienten dabei, seine Atmung bewusst wahrzunehmen und kennenzulernen. Mittels verschiedener Griffe und Berührungen, die zum Teil im Atemrhythmus erfolgen, zeigt die Therapeutin neue Möglichkeiten zum Atmen und Entspannen auf. Jede Einzelbehandlung wird mit einem Gespräch abgeschlossen.

Beim Gruppenunterricht gibt die Atemtherapeutin bestimmte Bewegungsabläufe vor, die im Sitzen, im Stehen, im Liegen und in Bewegung ausgeführt werden. Die Teilnehmer üben auch, die Atmung auf ihre Stimme wirken zu lassen. Im Gruppenunterricht kann der Schüler das Atmen auf neue Weise erfahren und Veränderungen beim Atemrhythmus, in der Haltung und im Befinden entdecken. Im Anschluss an den Gruppenunterricht findet ebenfalls ein Gespräch statt, bei dem die Teilnehmer einander ihre Wahrnehmungen und Erlebnisse mitteilen können.

Anwendung der Atemtherapie

Die Atemtherapie ist grundsätzlich bei vielen verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen anwendbar. Auch gesunde Menschen können von einer Atemtherapie profitieren. Besonders geeignet ist die Atemtherapie bei:

  • Atembeschwerden
  • Kreislaufstörungen
  • Rücken- und Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Stimm- und Sprechstörungen
  • Seelischen Schwierigkeiten (Ängste, Nervosität, depressive Verstimmung)
  • Schlafproblemen

Nebenwirkungen der Atemtherapie

Die Atemtherapie ist eine sanfte Behandlungsmethode, bei der in der Regel keine Nebenwirkungen zu befürchten sind. Wenn eine akute, schwere Erkrankung vorliegt (zum Beispiel eine Lungenentzündung), sollte man mit der Anwendung der Atemtherapie jedoch warten, bis sich der Gesundheitszustand bessert. Bei ernsthaften seelischen Krankheiten ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Atemtherapeuten und dem betreuenden Arzt notwendig.

Autor:

Redaktion Meine Gesundheit

Stand: 18.08.2014
Erstellung:
Redaktion Meine Gesundheit | 08.07.2014
Letzte Überarbeitung:
Redaktion Meine Gesundheit | 18.08.2014
Quellen:
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