Charité: Opioide Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen möglich

Die Berliner Charité spricht von einem Durchbruch: Eine Forschergruppe des Hauses habe einen neuen Weg für die Entwicklung von opioiden Schmerzmitteln ohne Nebenwirkungen entdeckt.

Wissenschaftler der Berliner Charité haben den Prototypen eines opioiden Schmerzmittels ohne Nebenwirkungen entwickelt und erfolgreich im Tierversuch getestet. Für Schmerzpatienten wäre es ein Segen: An der Berliner Charité haben Forscher ein opioides Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen entwickelt und im Tierversuch erfolgreich getestet. © Hoda Bogdan - Fotolia.com Durchbruch für Entwicklung von neuen Schmerzmitteln Bei dem Prototypen handelt es sich um ein morphinähnliches Molekül. Der Prototyp mit der Bezeichnung NFEPP entfaltet seine starke schmerzhemmende Wirkung nach Angaben der Charité ausschließlich in entzündetem Gewebe. Gesundes Gewebe hingegen reagiere nicht auf den Wirkstoff. Die für Opioide typischen starken Nebenwirkungen blieben daher aus. Die Charité bezeichnet die Entwicklung als Durchbruch in der Entwicklung von neuen Schmerzmitteln. Starke Nebenwirkungen von Opioiden bleiben aus Opioide sind zuverlässige Medikamente gegen starke akute und chronische Schmerzen. Sie haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Die unerwünschten Nebenwirkungen sind für viele Patienten sehr beträchtlich und können die Lebensqualität stark einschränken. Zu den vergleichsweise harmlosen Nebenwirkungen von opioiden Schmerzmitteln gehören Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Verstopfung. Schwerer wiegen etwa Benommenheit oder sogar Atemstillstände. Dazu kommt die Suchtgefahr: Opioide machen schon nach kurzem Gebrauch abhängig. Der Entzug ist oft langwierig – und für die Patienten eine meist sehr belastende Erfahrung. Schmerzstillung ausschließlich in entzündetem Gewebe Die Nebenwirkungen der Opioide entstehen, weil die Medikamente nicht nur in erkranktem Gewebe wirken, sondern auch gesundes Gewebe beeinflussen. Auf der Suche nach einem nebenwirkungsarmen Schmerzmittel konzentrierten sich die Forscher auf die Interaktionen an Opioidrezeptoren, an denen die morphinähnlichen Schmerzmittel ihre Wirkung vermitteln. Ihre Annahme: Die Interaktionen in entzündetem und gesundem Gewebe sollten sich unterscheiden. Nach aufwendigen Computersimulationen gelang es den Forschern tatsächlich, Unterschiede zu identifizieren. Der neu gefundene Wirkmechanismus erlaube es, die Wirkung auf den Ort der Schmerzentstehung zu begrenzen. Dazu binde und aktiviere der Prototyp NFEPP ausschließlich an Opioidrezeptoren im sauren Milieu entzündeten Gewebes, so Dr. Viola Spahn und Dr. Giovanna Del Vecchio, die Erstautorinnen der Studie. In den Computermodellen hatten die Forscher zuvor die für den Fall von Entzündungen erhöhte Protonenkonzentrationen simuliert. Dabei habe sich gezeigt, dass „die Protonierung von Wirkstoffen eine entscheidende Voraussetzung für die Aktivierung von Opioidrezeptoren ist“. Nach Einschätzung der Autorinen dürften sich die Erkenntnisse dieser Rezeptorforschung auch auf andere Medikamente übertragen lassen und neue Wege für wirksame und verträgliche Therapien ermöglichen. Redaktion: Charly Kahle, 10. März 2017 Originalpublikation: V. Spahn, G. Del Vecchio, D. Labuz, A. Rodriguez-Gaztelumendi, N. Massaly, J. Temp, V. Durmaz, P. Sabri, M. Reidelbach, H. Machelska, M. Weber, C. Stein. A nontoxic pain killer designed by modeling of pathological receptor conformations. Science. 2017 March 3. doi: 10.1126/science.aai8636.

Autor:

Charly Kahle

Stand: 15.03.2017
Erstellung:
Charly Kahle | 15.03.2017
Letzte Überarbeitung:
Charly Kahle | 15.03.2017
Quellen:
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