Mehr Tote durch Medikamente als durch Straßenverkehr

Fast ein Viertel der Deutschen nimmt drei oder mehr Medikamente täglich. Die Neben- und Wechselwirkungen verursachen zahlreiche Todesfälle.

Fast ein Viertel der Deutschen nimmt täglich 3 oder mehr Medikamente ein. Die Wechsel- und Nebenwirkungen führen zu mehr Todesfällen als der Straßenverkehr. ©tunedin- Fotolia.com Immer mehr Menschen nehmen immer mehr Medikamente. Nahezu jeder vierte Deutsche (23 Prozent) nimmt 3 oder mehr Medikamente ein. Mit zunehmendem Alter steigt dieser Anteil auf fast 50 Prozent (über 70-Jährige). Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sterben mehr Menschen an den Folgen der Polymedikation als im Straßenverkehr (2014: 3.400 Verkehrstote). Gleichzeitig steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneien auf ein Rekordhoch. Insgesamt zahlten sie im vergangenen Jahr 35,4 Milliarden Euro. Das sind gut 3,5 Milliarden Euro oder fast 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Die gleichzeitige Verwendung von mehreren Medikamenten ist für viele chronisch kranke Menschen die Regel – und auch notwendig. 70 Prozent der Menschen, die drei oder mehr Medikamenten täglich einnehmen, bekommen ausschließlich rezeptpflichtige Medikamente. Gut ein Drittel dieser Gruppe kauft zusätzlich noch frei erhältliche Medikamente. 9 Prozent der von der ABDA befragten Menschen nehmen insgesamt 5 und mehr Medikamente ein. Apotheker wollen an Medikationslisten beteiligt werden Je mehr Medikamente, umso größer das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen und Wechselwirkungen: So lautet die einfache Erklärung für die vielen Todesfälle durch Medikamente, die eigentlich helfen sollen. Nach Einschätzung der ABDA ist die zentrale Erfassung des individuellen Medikamentengebrauches in einer Medikationsliste überfällig. Die aktuellen Bemühungen des Bundes, einen Medikamentenausweis mit der Gesundheitskarte zu koppeln, begrüßt die ABDA daher. Sie kritisiert aber zugleich, dass die Apotheker nicht ausreichend in den Prozess der Erfassung einbezogen würden und der Gesetzgeber zu sehr auf die Ärzte setze. Tatsächlich seien „neun von zehn Medikationslisten“ aus ärztlicher Hand nicht vollständig. Einen deutlich besseren Überblick über die Medikation der Patienten nehmen die Apotheker für sich in Anspruch. 88 Prozent aller Patienten, die mehr als 2 Medikamente brauchten, holten diese regelmäßig in der gleichen Apotheke. Daher sollten die Apotheken unbedingt in den Prozess der Medikationslisten einbezogen werden. Ursachen für die Polymedikation Die Gründe für den übermäßigen Medikamentengebrauch sind vielfältig. Zum einen setzen Patienten die Einnahme fort, auch wenn ein Therapieziel schon lange erreicht ist. Aber auch bei erfolgloser Therapie nehmen manche Patienten das Medikament einfach weiter. Außerdem lassen sich viele Patienten (54 Prozent) Medikamente gleich von mehreren Ärzten verschreiben. Letztlich vergrößert sich das Potenzial für gesundheitsschädigende oder sogar tödliche Mehrfach-Medikationen durch die Einnahme von rezeptfreien Arzneimitteln. Quelle: Mehr Sicherheit bei Polymedikation nur durch echten Medikationsplan (Pressemeldung der ABDA) Redaktion: Charly Kahle, 20. Oktober 2015

Autor: Charly Kahle

Stand: 09.11.2015

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