Medikamente hinter Alkohol und vor Tabak

Das Jahrbuch der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren weist Medikamentenabhängigkeit als zweithäufigste Suchterkrankung aus.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchgefahren (DHS) hat das Jahrbuch Sucht 2017 vorgestellt. Die Kurzfassung: Mit fast 15 Litern reinem Alkohol pro Erwachsenem bleiben Bier, Wein und andere alkoholische Getränke das mit Abstand beliebteste Rauschmittel der Deutschen. Die Zahl der Raucher hingegen geht weiter deutlich zurück. Zigarette und Co. fallen in der Hitliste der Süchte auf Platz 3. Neue Nummer 2 unter den Suchterkrankungen ist die Medikamentenabhängigkeit. Medikamentenabhängigkeit ist die neue Nummer 2 unter den Suchterkrankungen. © tunedin - Fotolia.com Nach wie vor hoher Alkoholkonsum Der Alkoholkonsum der Deutschen hat sich im vergangenen Jahr – wie in den Vorjahren – kaum verändert: 9,6 Liter entfallen auf jeden Bundesbürger. Rechnet man Kinder bis 14 und Ältere über 65 heraus, ergeben sich etwa 15 Liter reiner Alkohol pro Erwachsenen. Diese Menge bezeichnen die Experten als „auch im internationalen Vergleich besonders hoch“. Alkohol bleibt nicht nur die beliebteste, sondern auch die tödlichste Droge. Laut DHS sterben mindestens 74.000 Deutsche jährlich vorzeitig an den Folgen des Alkoholkonsums. Nach Angaben der Experten leiden mehr als 3 Millionen Menschen an einer krankhaften alkoholbedingten Störung. Mindestens 1,7 Millionen Deutsche seien alkoholabhängig. Mit fast 330.000 Behandlungsfällen insgesamt seien „psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“ die zweithäufigste Einzeldiagnose in Krankennhäusern (bei Männern die häufigste Einzeldiagnose überhaupt). Die direkten und indirekten Kosten des Trinkens beziffert die DHS auf 40 Milliarden Euro im Jahr. Dem stünden Einnahmen von gut 3,2 Milliarden aus der Alkoholsteuer gegenüber. Hohe Dunkelziffer bei Medikamenten Die Zahl der Menschen mit einer klassischen Medikamentenabhängigkeit beziffert das Jahrbuch Sucht mit bis zu 1,9 Millionen Menschen. Alleine die Zahl der legal verkauften Beruhigungsmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine reiche aus, um zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Medikamentenabhängige zu versorgen. Dabei habe der Anteil der privat verordneten Benzodiazepine immer weiter zugenommen. Von Medikamentenabhängigkeit besonders gefährdet seien Frauen im Alter von über 65. Besondere Sorge bereitet den DHS-Experten, dass schätzungsweise 1,5 Millionen Deutsche zu Medikamenten greifen, um leistungsfähig zu bleiben, abzunehmen oder Müdigkeit hinaus zu zögern. Raucherquote geht weiter zurück Weiter fortgesetzt hat sich der Nichtraucher-Trend. Der Absatz von Zigaretten ging um fast 8 Prozent auf gut 75 Millionen Stück zurück. Vor allem bei Jugendlichen und junge Erwachsenen liegt Rauchen nicht mehr so im Trend wie noch vor wenigen Jahren. Redaktion: Charly Kahle, 11.04 2017

Autor:

Charly Kahle

Stand: 11.04.2017
Erstellung:
Charly Kahle | 11.04.2017
Letzte Überarbeitung:
Charly Kahle | 11.04.2017
Quellen:
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